Vogelgrippe erreicht Schönbrunn

Christina Kreuzer

Alle Pelikane im Tiergarten Schönbrunn wurden gestern eingeschläfert. Bei ihnen wurde der Vogelgrippe-Virus H5N8 nachgewiesen. Diese Nachricht schmerzt mich zutiefst.

Das ehemalige Gehege der Krauskopfpelikane im Tiergarten Schönbrunn

Betritt man den Tiergarten vom hinteren Eingang aus, waren stets die Pelikane der größte Blickfang. Ihr Gehege war von mehreren Seiten frei einsehbar und daher ideal zum Fotografieren. Meine ersten Versuche mit der Spiegelreflexkamera begannen genau dort. Stolz streckten die Pelikane stets ihre Federn der Sonne entgegen. Daneben saßen die Krähen, bedacht etwas vom Fisch abzubekommen, und krähten laut – fast etwas spöttisch ob der intensiven Federpflege ihrer großen Artgenossen. Ich verbrachte unzählige Stunden in ihrer Gegenwart, beobachtete sie beim Nestbau, bei der Fütterung und Federputzen.

Seit ein paar Wochen arbeite ich an einer Kurzgeschichte, deren erste Zeilen im Pelikangehege beginnen. So eindrucksvoll ist mir das Bild dieser Tiere, ihre Interaktionen und Bewegungen in meinen Gedanken eingebrannt. Tiergarten Schönbrunn und die Pelikane – das gehörte für mich untrennbar zusammen. Nun sind sie fort und ich kann es noch gar nicht fassen. Für die Menschen ist der Virus zwar nicht ansteckend, aber die anderen Vögel im Tiergarten sind weiterhin gefährdet.

Die Krauskopfpelikane Kolonie in Schönbrunn zählte weltweit zu den größten in Zoos. Wer weiß, ob es sobald wieder welche zu sehen gibt?

Im letzten Jahr mussten bereits die Pfauen weichen. Ebenfalls eine meiner liebsten Erinnerungen, denn die blauen Pfauen und der weiße durften sich frei im Zoo bewegen. So traf man die drei Vögel bei jedem Besuch an einer anderen Stelle. Manchmal schlugen sie ein wunderschönes Rad, ein anderes Mal dösten sie am Wegesrand. Ich verweilte gerne in ihrer Nähe, aus sicherem Abstand natürlich und sah ihnen zu. Sie waren meditativ. Für die Tiere wurde letztlich eine neue Heimat gesucht, weil es zu Zwischenfällen mit Besuchern kam. Für eine besondere Pfauenfeder oder ein außergewöhnliches Foto traten sie den Tieren auch gern mal zu nahe.

Zurück bleibt heute die Trauer über den Verlust der wunderschönen Tiere und die Hoffnung, dass die anderen Vögel davon verschont bleiben.


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