Sensor des Nexus 6P im Vergleich zur Nikon D810

Mitte 2014 hat Google für die Version "Lollipop" seines Android Betriebssystems das sogenannte Camera2 API vorgestellt. Damit ist es unter anderem erstmals möglich, die Verschlusszeit der Kamera manuell einzustellen. Vorher lief die Kamera größtenteils im Automatikmodus. Eine weitere sehr wichtige Neuerung ist die Möglichkeit, Fotos als RAW-Datei zu speichern. Spiegelreflexkameras beherrschen dieses Format schon sehr lange, und auch bei Kompaktkameras hat sich dieses Format inzwischen etabliert. Die Dateien werden im DNG-Format gespeichert, das von Adobe entwickelt wurde.

Auch mein Handy, das Nexus 6P von Huawei, beherrscht das Camera2 API. Daher hat es mich interessiert, wie der Sensor des Handys in einem Vergleich mit meiner D810 abschneidet. Vor zwei Jahren habe ich schon einmal die D800 gegen meine kleine Sony RX100 antreten lassen, und das Ergebnis war bei weitem nicht so deutlich, wie ich eigentlich erwartet hatte. Diesmal nun ein Test zwischen zwei noch unterschiedlicheren Geräten.

Das Nexus 6P verwendet einen Sony IMX377 Exmor R Sensor mit 12,3 Megapixeln, der Bilder im 4:3 Format aufnimmt. Der Sensor misst 6,17 x 4,55 mm, die Pixelgröße beträgt 1,55 μm2 und pro Pixel werden 12 Bit aufgelöst. Zum Vergleich, das iPhone 6 Plus hat einen Sensor mit 4,80 x 3,60 mm. Damit hat das Nexus 6P für ein Handy einen recht großen Sensor, was die Bildqualität vor allem bei wenig Licht verbessern sollte. Das Kameramodul hat einen recht guten Blendenwert von f/2.0, weshalb leider auf einen optischen Bildstabilisator verzichtet wurde. Laut Google ist das durch die größere Fläche und der guten Blende nicht mehr nötig. Natürlich ist der Sensor immer noch deutlich kleiner als in richtigen Kameras. So hat die die Sony RX100 einen Sensor von 13,20×8,80 mm und bei der D810 sind es sogar 35,90 x 24,00 mm, eben das klassische Kleinbildformat. Damit hat die D810 eine 30 mal größere Fläche als der Sensor des Nexus 6P.

Die Fotos

Das Testmotiv war überraschenderweise wieder die Aussicht von unserem Balkon. An der D810 habe ich ein Objektiv mit einer maximalen Blende von f/2.8 verwendet. Die Belichtungszeiten sind folglich immer doppelt so lang wie beim Nexus 6P. Wie beim letzten Mal werde ich das Bild deutlich über- und unterbelichten und dann versuchen, das Ergebnis mit Adobe Camera Raw zu korrigieren. Hier die beiden Ausgangsbilder:

D810_normal_DSC_0321.jpg

D810 (1/100 f/2.8 ISO 100)

Nexus 6P normal belichtet

Nexus 6P (1/200 f/2.0 ISO 100)

 

Hier die beiden überbelichteten Bilder:

D810 überbelichtet

D810 (1/10 f/2.8 ISO 100)

Nexus 6P überbelichtet

Nexus 6P (1/20 f/2.0 ISO 100)

Und so sehen die beiden korrigierten Bilder aus. Beim Metalldach sieht man leichte Vorteile bei der D810 während beim Himmel bei beiden Kameras nichts mehr zu retten ist. Insgesamt hat zwar das Bild der D810 noch deutlich mehr Kontrast, aber das Handy schlägt sich hier gar nicht so schlecht. Wirklich gut schaut das Ergebnis aber bei beiden Kameras nicht mehr aus.

D810 überbelichtet und korrigiert

D810

Nexus 6P überbelichtet und korrigiert

Nexus 6P

 

Nun zu den unterbelichteten Fotos:

D810 unterbelichtet

D810 (1/1000 f/2.8 ISO 100)

Nexus 6P unterbelichtet

Nexus 6P (1/2000 f/2.0 ISO 100)

Nach der Korrektur unterscheiden sich die beiden Fotos gewaltig. Während der Dynamikumfang der D810 groß genug ist, um die Belichtung sehr gut zu korrigieren, hat das Nexus 6P praktisch kaum Reserven:

D810 unterbelichtet und korrigiert

D810

Nexus 6P unterbelichtet und korrigiert

Nexus 6P

Fazit

Dieses Ergebnis hat mich ziemlich überrascht, da sich die RX100 beim letzten Test ganz anders verhalten hat. Bei der D810 gilt für mich trotz ihres großen Dynamikumfangs auch weiterhin, lieber etwas zu dunkel als zu hell. Beim Nexus 6P funktioniert das allerdings nicht. Hier sollte man unterbelichtete Bilder eher vermeiden, da in den dunklen Bereichen trotz der relativ großen Pixel der Informationsgehalt im Verhältnis zum Rauschen zu gering ist. Natürlich ist der Vergleich mit der D810 nicht gerade fair und es wäre auch sehr überraschend gewesen, wenn sie nicht als klarer Sieger hervorgegangen werden. Aber spannend finde ich den Vergleich trotzdem.

Mein persönliches Fazit ist, dass sich das RAW Format am Handy nicht wirklich lohnt. Der Mehrwert für die Nachbearbeitung ist nicht sehr groß, es gibt noch relativ wenig Apps, die das Format überhaupt beherrschen und mit knapp 24MB pro Foto brauchen die Bilder auch nicht gerade wenig Platz.


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