Neuer JPEG-Encoder von Google: Guetzli

Hinter diesem etwas seltsamen Namen verbirgt sich eine Software, mit der sich bei ähnlicher Qualität um 35% kleinere JPG Bilder erzeugen lassen sollen als bei anderen Programmen. Das musste ich natürlich gleich ausprobieren. Der Programmcode steht als Open Source zur Verfügung und kann bei GitHub heruntergeladen werden.

Um gleich einem Missverständnis vorzubeugen, es handelt sich dabei nicht um ein neues Bildformat, sondern lediglich eine neue Methode, Bilder zu komprimieren. Das Ergebnis ist ein ganz normales JPG Bild, das von jeder Software gelesen werden kann.

Was bedeutet das? JPEG ist ein sogenanntes verlustbehaftetes Format, d.h. das Bild entspricht nicht mehr dem Original. Stark vereinfacht kann man sagen, dass durch Weglassen gewisser Informationen die Dateigröße reduziert wird. Und je mehr man weglässt, desto kleiner wird die Datei. Das hat natürlich seinen Preis. Je kleiner das Bild wird, umso stärker erkennt man die Auswirkungen dieser Reduzierung. Diese Bildfehler werden auch Artefakte genannt, die im Extremfall so aussehen:

JPEG Artefakte

Die Kunst ist jetzt, möglichst viel wegzulassen, ohne dass man es sieht. Google verwendet dazu ein psychovisuelles Modell, das ähnlich dem mp3 Format die Teile weglässt, die unser Auge sowieso nicht sehen kann. Dieses Modell hat Google Butteraugli genannt. Die Entwickler hatten offensichtlich sehr viel Spaß bei der Arbeit :-)

Landschaftsfoto

Hier nun ein Beispielfoto. Die Auflösung beträgt 1280x854 Pixel. Das linke Bild ist mit Photoshop bei einer Qualität von 95% gespeichert. Das rechte Bild wurde von Guetzli mit den Standardeinstellungen erzeugt, die auch auf 95% eingestellt sind.

Mit Photoshop Qualität 95 gespeichert Mit dem Guetzli-Encoder gespeichert

Auf den ersten Blick wirken die beiden Bilder sehr ähnlich. Bei genauem Hinsehen merkt man aber, dass das Guetzli Bild etwas weniger Sättigung hat.

Zum Vergleich noch die Dauer und Größen der Bilder:

  Zeit (Sekunden) Größe (KBytes) Größe (%)
 Photoshop <1 1.177 100
 Guetzli 175 582 49,5

In diesem Fall ist die Guetzli Datei sogar nur halb so groß ist wie die Photoshop Datei. Während aber das Photoshop Bild praktisch ohne Zeitverzögerung gespeichert wird, muss ich auf das Guetzli Bild wesentlich länger warten.

Hier nun der Vergleich einiger Details aus dem Bild:

Details Photoshop Qualität 95 gespeichert Details Guetzli-Encoder

Besonders an den Kanten sieht man, dass das Photoshop Bild deutlich weniger Artefakte hat. Bei doppelter Dateigröße ist das auch keine Überraschung. Was kann man also aus diesem Vergleich schließen? Eigentlich gar nichts! Die Zahl „95%“ bedeutet für jedes Programm etwas anderes und ist eben kein allgemeingültiger Maßstab. Daher mache ich noch einen zweiten Vergleich. Ausgehend von der Größe der Guetzli Datei speichere ich diesmal das Foto in einer Qualität, so dass die Photoshop Datei genauso groß ist wie die Guetzli Datei. In diesem Fall ist das bei einer Qualität von 75% der Fall. Das erzeugte Bild ist dann 588 KBytes groß.

Details Photoshop Qualität 95 gespeichert Details Guetzli-Encoder

Jetzt sind sich die beiden Bilder schon viel ähnlicher. Nach wie vor fällt auf, dass das Guetzli Bild weniger Sättigung hat. Besonders deutich sieht man das bei dem kleinen Kamin oben in der Mitte und den Fensterläden unten. Bei den Artefakten kann ich aber keinen Gewinner feststellen. Beim Logo wirkt der der Guetzli-Encoder etwas besser, dafür hat der Bergrücken beim Photoshop-Encoder etwas weniger Artefakte.

Studiofoto

Für einen zweiten Test habe ich ein Studiofoto ausgewählt.

Mit Photoshop Qualität 95 gespeichert Mit dem Guetzli-Encoder gespeichert

Zum Vergleich wieder die Dauer und Größen der Bilder:

  Zeit (Sekunden) Größe (KBytes) Größe (%)
 Photoshop <1 314 100
 Guetzli 344 693 220,8

Das ist jetzt eine ziemliche Überraschung. Die Guetzli Datei ist mehr als doppelt so groß wie die Photoshop Datei. Das finde ich äußerst spannend! Scheinbar sind die Algorithmen von Google ganz extrem auf „normale“ Fotos optimiert und können mit den großen dunklen Bereichen überhaupt nichts anfangen. Außerdem benötigt das Programm für dieses Foto fast 6 Minuten. Einen genaueren Vergleich habe ich mir daher für dieses Foto erspart.

Was ist nun mein Fazit?

Der neue JPEG-Encoder ist bestenfalls ähnlich gut wie Photoshop, kann aber auch deutlich schlechtere Ergebnisse liefern. Im Grunde müsste ich bei jedem Foto beide Varianten erzeugen und dann die kleinere Datei nehmen. Viel zu umständlich. Und sehr langsam ist er auch noch. Alles in allem macht Guetzli daher noch keinen Sinn für mich. Aber vielleicht wird sich das ja in einer zukünftigen Version noch ändern. Noch besser wäre aber, wenn sich endlich ein Nachfolge-Format durchsetzen würde, egal ob WebP, JPEG-XR, BPG oder vielleicht ganz was Neues.


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